Gesundheitsrisiken durch chemische Farben und Wasserlacke

Gesundheitsrisiken durch Isocyanate und Wasserlacke

Dass industriell hergestellte Farben Gesundheitsrisiken bergen, zeigen Untersuchungsdaten der berufsgenossenschaftlichen Klinik Bergmannsheil in Bochum: Von 1.780 Beschäftigten, die mit Isocyanaten arbeiten, litten 1.095 an arbeitsbedingten Atemwegserkrankungen. Isocyanate werden als Bindemittel in konventionellen Lackfarben, aber auch in großem Umfang für die Herstellung von Schaumstoffen, Elastomere, als Kleber, Lackhärter und Beschichtungsmaterial in der Kraftfahrzeugindustrie, im Baugewerbe, Farbenherstellung und –anwendung, Timber-, Möbel- und Textilindustrie verwendet. Zu den Gesundheitsstörungen gehören:

  • Obstruktive Atemwegserkrankungen (am häufigsten)
  • Isocyanat-Alveolotis, eine Entzündung der Lungenbläschen (selten)
  • Isocyanat-Urtikaria (Nesselsucht), Kontaktekzeme, toxische Dermatitis
  • Hornhautschädigungen

(aus: Rolf Kroidl „Bewertung und Begutachtung in der Pneumologie“ (2009, 3. Überarbeitete Auflage, S. 140))
Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung verweist in seinem IPA-Journal zwischen 2011 und 2014 mehrfach in der Rubrik Arbeitsmedizinische Fälle auf die schädlichen Auswirkungen von Isocyanate für Beschäftigte in der chemischen Industrie.

Wasserlack als vermeintlich gesunde Alternative

Einige Wasserlacke enthalten zwar das Umweltsiegel Blauer Engel, das bedeutet jedoch nicht, dass diese Lacke völlig unbedenklich sind. Auch die Verfechter der industriellen Farbenherstellung geben zu, dass „(…) man sich bei Recyclinghöfen und Müllsammelstellen erkundigen sollte, wie sich der Lack entsorgen lässt, (…). Wie jeder Lack besteht auch Wasserlack aus Löse- bzw. Verdünnungsmittel und Bindemittel sowie Zusatzstoffen und gegebenenfalls Pigmenten, sofern es sich um farbigen und nicht farblosen Wasserlack handelt. Löse- bzw. Verdünnungsmittel sorgen dafür, dass Lacke flüssig sind und verarbeitet werden können. Durch das Bindemittel wird die Lackschicht nach dem Verarbeiten fest. Bei Lacken auf Wasserbasis und lösemittelhaltigen Lacken kann das Bindemittel durchaus das gleiche sein. So dient etwa beim Acryllack Acrylharz als Bindemittel. Gelöst ist das Harz bei den meisten Acryllacken vor allem in Wasser, wobei es auch Acryllack als lösemittelbasierten Lack gibt.“ (Ansgar Sadeghi)

Beim Einsatz von Wasserlacken ist zwar der Gehalt an organischen Lösemitteln stark reduziert. Gelangen allerdings Aerosole in die Lunge, können sie wegen ihres hohen Wasseranteils schlechter abgehustet werden als dies bei konventionellen Lacken der Fall ist. Es müssen also auch bei der Verarbeitung von Wasserlacken geeignete Maßnahmen wie Absaugung und Atemschutz umgesetzt werden. (aus: www.haufe.de: Arbeitsschutz – Beschichtungsstoffe – Wasserlacke

Ein technischer Trick soll bei wasserverdünnbaren Lacken vermeiden, dass der Verdunstungsprozess von Löse-und Bindemitteln nicht zu schnell abläuft. Als Verdunstungshemmer wird vor allem Glykolether eingesetzt. Der Verbraucher ist dadurch aber höheren Gesundheitsrisiken ausgesetzt, denn die Lösemittel treten nun beim Abbindeprozess genauso aus der Farbbeschichtung aus wie bei anderen Farben, nur dass dieser Prozess viel länger dauert und die Bewohner in frisch gestrichenen Räumen und Wohnungen eine viel längere Zeit giftigen Ausdünstungen ausgesetzt sind.

Lüften bei Wasserlacken besonders wichtig

Bei nicht wasserverdünnbaren Farben treten in den ersten Wochen 90-95% der Lösemittel beim Abbindeprozess aus. Die restlichen 5-10% verdunsten sehr langsam im Laufe der nächsten Jahre. Da neue Farbanstriche unangenehm riechen, wird automatisch in frisch gestrichenen Räumen mehr gelüftet und dadurch der notwendige vermehrte Luftwechsel erreicht.
Bei wasserverdünnbaren Farben bewirkt der Zusatz von Verdunstungshemmern, dass über Jahre hinweg kleine Dosen von Lösemitteln freiwerden. Da diese kleine Dosis den Geruchssinn kaum stört, lüften die Bewohner meist nicht genug. So werden über Jahre die Ausdünstungen von Lösemitteln und Konservierungsstoffen eingeatmet. Es ist inzwischen bekannt, dass kleine Dosen, die langfristig einwirken, erheblich schädlicher für die Gesundheit sind als eine große Dosis, die über kurze Zeit aufgenommen wird. (Auszug aus Manfred Fritsch „Handbuch gesundes Bauen und Wohnen“ (1996))

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